Algorithmus der Liebe
Die Geschichte des Computer-Datings seit den 1950er Jahren
Online-Dating-Apps wie Tinder, Parship und Co. sind heute aus dem Leben vieler Menschen kaum mehr wegzudenken. Nichts läge also näher, als von einer »Revolution des Datings« durch den Computer zu sprechen. Jedenfalls ist genau das in der Forschung, in den Medien und vor allem in der Werbung, in der sich Singles inzwischen angeblich im »Minutentakt« verlieben, bislang der Fall gewesen. Allerdings ist das Phänomen, bei genauem Hinsehen, weder so revolutionär noch so neu, wie gemeinhin angenommen wird. Denn Computer-Dating gab es in den USA und in Europa schon bedeutend länger als das World Wide Web. Seine Geschichte führt uns zurück in die späten 1940er und frühen 1950er Jahre – und damit in eine Zeit, in der Computer noch »Elektronengehirne« hießen und das digitale Dating »elektronische Partnervermittlung«.1 Dieser Beitrag wird die lange Geschichte des Datings vorstellen und dazu der Frage nachgehen, welche emanzipativen Wirkungen dem Algorithmus der Liebe zukamen und wo er als Strukturverstärker bestehender gesellschaftlicher Ungleichheiten wirkte.
Steckbrief Quelle
»Elektronengehirn bei Ehevermittlung», 30.04.1965, Nordschau-Magazin Hamburg Springe zu Quelle- Quelle
- Archiv NDR, mit freundlicher Genehmigung, online unter https://www.ardmediathek.de/video/nordschau/tinder-damals-partnersuche-per-rechner/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9jNjUwOTBmNy05OTg0LTQ1NjItODBlNS0zYjkzNzI0MGJkZjE
Der Computer als »Elektronen-Amor«
Nach 1945 boomte das Business der Ehevermittler in den USA und Europa. Dass Computer dabei als »Matchmaker« zum Einsatz kamen, mag gleichwohl überraschen. Denn damals waren die sogenannten Elektronengehirne noch riesige Apparate, mit tausenden Lochkarten als Datenspeicher. Zu den ersten Anwendern der neuen Technik zählten Forschende in den USA. So hatte etwa der Soziologe Karl Miles Wallace vom Los Angeles State College 1948 einen »Personal Acquaintance Service« gegründet, um die Mechanismen der Partnersuche zu studieren. Wallace führte dazu Interviews, ließ Persönlichkeitstests und Fragebögen ausfüllen und übersetzte die Informationen der teilnehmenden Singles in maschinenlesbare Daten, die dann ein Lochkartenleser der Firma Remington Rand auswertete. Für Wallace löste der Computer ein klassisches Big-Data-Problem: Er erfasste, verarbeitete und analysierte die wachsende Menge an Forschungsdaten. Der Algorithmus hinter dem Matching war allerdings ausgesprochen simpel. In erster Linie suchte der Computer nach Übereinstimmungen. Vorher waren die Daten von Heiratssuchenden in aller Regel händisch in den Kundenkarteien der boomenden Heiratsbüros zusammengelesen worden, wobei der Menschenkenntnis der Makler:innen entscheidende Bedeutung zugekommen war. »Love is more than luck«, schrieb nun Wallace, setzte ratio vor emotio und prägte das Schlagwort vom »Scientific Matchmaking«.2
Der Versuch, die Liebe per Computer zu rationalisieren, entsprach der technokratischen Begeisterung und der einsetzenden Planungseuphorie der späten 1950er Jahre. Das Kuppler-Gewerbe war indes bedeutend älter. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren sogenannte Lonely Hearts Clubs ebenso wie kommerzielle und kirchliche Heiratsbüros in Europa und den USA immer populärer geworden.3 Das »Dating« folgte zu dieser Zeit noch einem engen Katalog an Vorschriften, ganz besonders in ländlichen Regionen, in denen Familie und Kirche eine entscheidende Rolle bei der Partnersuche spielten.
In den großen Metropolen wie New York boten sich den Menschen dagegen größere Freiheiten, aber eben auch neue Verunsicherungen.4 Hier wurde die elektronische Partnervermittlung – als moderne Alternative zur Heiratsannonce in der Zeitung – rasch außerordentlich beliebt; sie erleichterte insbesondere der nach dem Krieg stark gewachsenen Gruppe der »Singles« die Suche nach einem neuen Partner, wobei es im »goldenen Zeitalter der Ehe« vor allem um die Auswahl des passenden Heiratspartners ging. Für viele kommerzielle Agenturen in den USA, die in dieser Phase das Modell des Computer-Datings entdeckten, war die »Wissenschaftlichkeit« der Partnervermittlung derweil vor allem ein Marketinginstrument, was sich schon daran ablesen ließ, dass mitunter auch graphologische Analysen und psychodiagnostische Tests, Hypnose oder gar die Deutung von Handlinien und Horoskopen zum Repertoire der Agenturen zählten.5
Computer-Dating als Medienereignis
Schon in den 1950er Jahren avancierte der Einsatz des Rechners als sogenannter Elektronen-Amor zum Medienereignis. In den USA löste dabei bereits die Ankündigung, den Computer als Partnervermittlungsmaschine einzusetzen, einen Hype aus. In der populären Fernsehshow People are Funny verkuppelte etwa ein UNIVAC-Rechner vor den Augen eines amerikanischen Millionenpublikums ein erstes Paar, dessen Hochzeit im Oktober 1958 in Los Angeles unter großem Presseecho begangen wurde.6
Zugleich war das Computer-Dating auch zu einem Phänomen der (akademischen) Jugendkultur geworden. An den Hochschulen in den USA und in Westeuropa grassierte in den 1960er und 70er Jahren ein regelrechtes »Dating-Fieber«. Dies bezeugen zahlreiche Computer-Experimente, allen voran an den Elite-Universitäten Stanford, Yale, Harvard oder auch MIT.7 In einigen Fällen entstand aus einer Partylaune heraus sogar ein Business-Modell – wie etwa bei »Operation Match«, einer Agentur, hinter der drei Studenten aus Harvard, Jeffrey C. Tarr, David L. Crump und Vaughan Morrill, sowie Douglas H. Ginsburg, ein Absolvent der Cornell University, standen. Ihre Firma, die Compatibility Research Inc., eröffnete – auch dank unschlagbar günstiger Preise (»5 Dates für 3 Dollar«) – ab 1965 zahlreiche Filialen in Nordamerika und inspirierte alsbald Gründungen rund um den Globus. Bis 1968 versandte sie mehr als eine Million Fragebögen und verband über 100.000 Nutzer:innen.8 In den 1960er und 70er Jahren schwappte die Begeisterung so auch nach Europa.
Das Modell der programmierten Partnersuche stieß im »Sommer der Liebe« 1967 einen breiten (populär-)kulturellen Diskurs an. So war das Thema in den USA und quer durch Europa in Literatur, Theater, Film und Fernsehen allgegenwärtig. Serien nahmen sich der elektronischen Partnersuche an, während Unterhaltungsautor:innen Romane über die Computerliebe schrieben. Die französische Pop-Sängerin France Gall widmete dem Phänomen 1968 sogar gleich ein ganzes Chanson: »Computer Nr. 3«.9 Die westeuropäische Presse leistete der kollektiven Euphorie derweil durch »Partnerschaftsaktionen« per Computer in (Jugend-)Zeitschriften wie Rave, Elle oder Twen Vorschub.10
Neben der skizzierten Euphorie gab es von Beginn an aber auch massive Kritik an der Rolle des Computers als »Elektronen-Amor«. So bildete sich in manchen konservativen Kreisen durchaus eine starke Opposition gegen die neue Technik heraus. Dass sich eine Verbindung zweier Menschen berechnen ließ und ganz ohne himmlische Fügung zustande kam, stellte für einige Geistliche in den 1950er Jahren die göttliche Weihe des Sakraments der Ehe in Frage.11 Auch attackierten Kritiker die Aushöhlung gängiger Moralvorstellungen, allen voran die Vorstellung sexueller »Freizügigkeit« und die Pluralisierung der Lebensmodelle und Liebeskonzepte.
Der Schriftsteller Peter Hamm wiederum sah 1968 in der »angeblichen Verwissenschaftlichung der Welt« und der Wahl von Mr. und Mrs. Right in erster Linie eine »Erfindung der Reklame-Fachleute«.12 In der Folge störten sich Kritiker an der »Warenförmigkeit« emotionaler Bindungen, die den »Idealpartner« zum bloßen »Konsumgut« degradiere. Zusehends richtete sich die Kritik auch gegen die Individualisierung und Vereinzelung der »Single-Gesellschaft«, als deren sichtbarer Ausdruck die neue Kultur des Computer-Datings galt. Dabei schienen die steigenden Erwartungen an das ideale Match zugleich die Verstellungskünste der Singles zu befördern. Ein Blick in die Ratgeber dieser Tage zeigt, dass die Versuchung zu schwindeln, durchaus real und an der Tagesordnung war, und auch Leserzusendungen, die die Agenturen erreichten, gaben der Klage über Betrüger zusehends Ausdruck.13
Der Wandel der computergestützten Partnervermittlung in der Bundesrepublik
In der Bundesrepublik stieg die Hamburger Altmann GmbH & Co. binnen weniger Jahre zum Branchen-Primus auf. Ab 1967 verlegte sich die Firma ganz auf das boomende Feld des Computer-Datings. Auch hier avancierte das Label der »Wissenschaftlichkeit« zum Kassenschlager. Ein Team aus EDV-Experten verantwortete den Einsatz des »superschnellen, supergenauen und superempfindlichen« Rechners.14 Zum Beirat des Instituts zählten überdies der Kieler Anthropologe und Bevölkerungswissenschaftler Hans W. Jürgens, der Düsseldorfer Sozialpsychologe Peter Orlik sowie der Gießener Pädagoge und Psychologe Werner Correll. Grundlage des Matchings waren die Angaben in den Fragebögen, die alle Kund:innen postalisch an die Agentur versandten.
Das »Altmann-System« wurde rasch zur internationalen Marke. Aus einer Datenbank mit über 30.000 Bewerber:innen suchte der Computer – ein IBM 360/40 – den vermeintlich idealen Partner oder die ideale Partnerin. Dabei konnten Interessierte pro Woche bis zu zwei Partnervorschläge anfordern und so binnen drei Jahren über 300 Kontaktdaten erhalten. Zudem gab die Firma allen Kund:innen einen »Leitfaden« für die erste Kontaktaufnahme an die Hand. Mitte der 1970er Jahre kam zum Kernbereich der Partnervermittlung noch das Feld der Paartherapie und -kommunikation hinzu; Reisen, Fortbildungskurse und (populär)wissenschaftliche Publikationen ergänzten fortan das Portfolio der Dienstleistungen.15
Zum Jahreswechsel 1970 hatte die Agentur 650 Mitarbeiter:innen, davon 400 im Außendienst, in allen größeren Städten der Bundesrepublik. Binnen eines Jahres versandte sie rund 250.000 Partnervorschläge; 77.000 Menschen hatten schließlich Kontakte aufgenommen, circa 13.000 »feste« Partnerschaften registrierte die Zentrale. Rund 2500 Menschen hatten sich verlobt, 2188 Personen geheiratet. Die kolportierte Vermittlungsquote lag bei rund 75 Prozent. Die Weltwoche kommentierte euphorisch, das Hamburger Büro heile »die Krankheiten unserer kühlen Zeit in Stahl und Beton, Vereinsamung und Kontaktarmut«.16
In der Praxis aber ergab sich ein ambivalenteres Bild. Zwar eröffnete die neue Technik durchaus neue Spielräume. So warb das Altmann Magazin 1970 nicht ohne Plausibilität, der Computer biete »ideale Voraussetzungen für die Gleichberechtigung partnersuchender Frauen«.17 Doch grosso modo zerbrach das egalitäre Glücksversprechen an den Gesetzen des Marktes. Zwecks Optimierung der Vermittlungsquote basierte das »Altmann-System« von Beginn auf der Exklusion »abnormer« Teilnehmer:innen. Der Computer (re)produzierte so bestehende soziale, kulturelle oder auch ökonomische Trennlinien. Hier erwies sich der Dating-Service als Normalisierungsmaschine.18
Die Quelle: Elektronengehirn bei der Ehevermittlung, 1965
Ein zentrales Quellenbeispiel aus der Hochphase der Computer-Euphorie in den Nachkriegsdekaden der Bundesrepublik mag im Folgenden illustrieren, wie stark das Dating auch hier zum Medienphänomen geworden war. Am 30. April 1965 widmete die »NRD-Nordschau« der Rolle des »Elektronengehirns bei der Ehevermittlung«19 einen kurzen, rund 2 ½-minütigen Fernsehbeitrag. Darin wird der Einsatz des Rechners als Beitrag zur Bewältigung moderner Probleme – der Zunahme einsamer Herzen im anonymen, schnelllebigen Großstadt-Dasein – beschrieben: »Wer hat denn heute noch Muße für süße Sehnsucht, wer vertraut gar auf den Zufall?« Die Lösung liegt, wie es scheint, also im Einsatz des Computers, der im Film als wissenschaftliches Werkzeug angepriesen wird.20 Seine Verwendung im Dienste der Eheanbahnung, die zugleich die anhaltende Bedeutung der Zentralinstanz der Ehe und der Familie als »Keimzelle der Gesellschaft« bezeugt, erfolge dabei, so der Kommentar des Sprechers, »streng und pedantisch«. Indes wird der Wunsch nach dem idealen Partner – dem »Mann der Träume« – in einer Weise ins Bild gesetzt, die andeutet, dass das ersehnte Gegenüber im Computerzeitalter zusehends zur »Ware« werden könne, die man sich nach eigenen Vorstellungen modellieren könne.
- Keine Ergebnisse gefunden.
Immer wieder wird im Beitrag zudem die Diskretion der Anbahnung von Beziehungen hervorgehoben. Immerhin waren der Gang zum Eheanbahnungsbüro oder das Kennenlernen über Annoncen in diesen Jahren noch durchaus schambehaftet; gerade ledigen Frauen hing das Stigma des Junggesellinnentums an. Auch deshalb vermarkteten die Agenturen – wie die Hamburger Agentur Altmann – die neue, emanzipative Wirkung des Rechners. Ein Beitrag der Kinowochenschau »UFA-Dabei« präsentierte Ende der 1960er Jahre den »Handel mit Herzen« in ähnlicher Weise als von »Vorurteilen« geprägtes, »umstrittenes Geschäft«.21 Die »wissenschaftliche Basis« des Ansatzes war, wie Michael Paula, Geschäftsführer der Altmann GmbH zu Protokoll gab, daher ebenso wichtig wie die »individuelle und menschliche Betreuungsarbeit«.
Im Fernsehbeitrag des Jahres 1965 erscheinen die neuen Rechner als Wunderwerke der Technik – schwere Maschinen, blinkende Knöpfe, in Sekundenbruchteilen eingelesene Lochkarten, meterweise ausgedruckte Ergebnisse, dazu Heerscharen an Personal (Männer, die die eingehenden postalischen Sendungen (vor-)sortieren, Frauen, die anschließend in der Datenverarbeitung tätig sind). Auch die Fragebögen, die die Rationalisierung der Auswahl verbürgen sollen, und die einzelnen Selektionskriterien werden angesprochen. Dabei bezeugt das im Film angesprochene Kriterium der »Erbbiologie« als Grundlage der Partnerwahl, wie stark der Computer auch weiter als Normalisierungsmaschine zu wirken verstand, deren biopolitisches Programm ihr rassenhygienisches Erbe nur mühsam verbarg. Trotz aller technikoptimistischen Züge schließt der Film damit, dass der Computer »eines noch immer nicht abnehmen [könne]: Heiraten müssen Sie immer noch selbst.«
Dieser Film, der über ein Sprachmodell (Voxtral) erschlossen wurde, um vollständig durchsuchbar vorzuliegen, soll zugleich die Chancen einer cross-medialen Diskursanalyse demonstrieren. Indem serielle Nachrichtenquellen und Bildbestände, allen voran audiovisuelles Quellenmaterial, einschließlich Foto-, Radio-, Film- und Fernsehquellen, systematisch einbezogen werden, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Zeitgeschichte im digitalen Zeitalter.
Der Computer und die einsamen Herzen in der DDR
Während in der Bundesrepublik kommerzielle Anbieter das Gewerbe an sich rissen, wurde in der DDR intensiv über ein Modell staatlicher Eheanbahnung beraten. Zuvor hatte es bereits in Ungarn und der ČSSR erste Versuche in dieser Richtung gegeben. Auch in Moskau diskutierte man den Einsatz von EDV-Kontaktbüros. Wie in der Bundesrepublik, so las man auch in der DDR zusehends über das Schicksal der vielen »Junggesellen«. Dabei versuchte die SED-Führung, über staatliche »Singlebörsen« – Klubs für »Alleinstehende« wie den »Solo-Klub« in Karl-Marx-Stadt oder den »Klub der Unverheirateten« in Berlin – und eine konzertierte Medien- und Kulturpolitik in die Sozialbeziehungen »hineinzuregieren«.22 Private Partnerbörsen blieben dagegen lange illegal. Ende der 1980er Jahre wurden allerdings auch hier Wege der elektronischen Partnervermittlung erprobt, um die wachsenden Single-Märkte zu erschließen. So veranstalteten einzelne Anbieter im Berliner Umland schon 1987 Dating-Partys als »Computer-Heiratsmärkte«. Populär wurde vor allem das staatliche Büro »Sie & Er«, das kurz vor der Wende gegründet, binnen drei Monaten bereits 2000 Kund:innen akquirierte und im »Berlin-Journal« des DDR-Fernsehens als »rechnergestützte Suche nach der Liebe« im »Zeitalter der Mini-Chips« beworben wurde. Im April 1990 stand es sogar der Gründung der Kuppel-Show »Je t’aime – Wer mit wem?« Pate.23
Die Online-Ära
In den 1980er und 90er Jahren drängten in den USA und in der Bundesrepublik, aber auch in der Schweiz, in England oder in Frankreich, wo Videotext-Systeme wie BTX, Prestel oder Minitel eine (intime) Kommunikation in Chatrooms ermöglichten, neue, interaktive Angebote auf den Markt. Diese »Singlebörsen« erlaubten es Interessierten, zunehmend eigeninitiativ im digitalen Raum nach Partner:innen zu suchen. So etablierte sich eine Form des Datings, die in die Ära des World Wide Web vorauswies.24 Zu den ersten Angeboten der Online-Ära gehörte der Service von matchmaker.com, der sich zwischen 1983 und 1987 noch über ein Mailbox-System etablierte.25 Im WWW eroberte die 1995 gegründete Website »Match.com« rasch die neuen Märkte des Online-Datings. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kam eine geradezu explosionsartig wachsende Zahl an Webseiten rund um den Globus hinzu, bevor in den 2010er Jahren zusehends neue Anbieter über mobile Apps das Business an sich rissen.26
Eine Geschichte des Online-Datings kann den Wandel von Liebeskonzepten und Lebensmodellen, Geschlechterrollen und Körperbildern erhellen und muss zugleich die Auswirkungen digitaler Gewalt, eingedenk der raschen Zunahme an Pornographie im digitalen Raum, einbeziehen. Hier bieten sich neue Perspektiven einer Web History.
Ausblick
Der Wandel der Partnervermittlung – von der Eheanbahnung der 1940er und 1950er Jahre zum Single-Dating der 1960er und 1970er Jahre – spiegelt einen tiefgreifenden soziokulturellen Wandel wider. Das zeigt schon ein Blick auf die Kundinnen und Kunden der Agenturen. Ganz am Anfang, in den USA der 1950er Jahre, war der typische Kunde oder die typische Kundin eines Computer-Büros in Manhattan weiß, protestantisch, zwischen Ende 20 und Mitte 50, verfügte über einen Hochschulabschluss und ein überdurchschnittliches Einkommen: Ärzte, Anwälte, Ingenieure – kurzum: ein Service für Besserverdienende. Und das drückte sich auch in der Preisstruktur aus. Je nach Voraussetzungen und Ansprüchen konnte ein Partnervorschlag hunderte von Dollar kosten, eine Summe von schwindelerregender Höhe. Später, in den 1960er und 70er Jahren, als Konkurrenz und Angebote wuchsen, sank dann aber der Preis, und es nahmen mehr Menschen die Dienste der Agenturen wahr. In dem Maße, wie Beziehungen, Familie und Kinder zu Optionen privater Lebensplanung und Themen der (Selbst-)Optimierung wurden, veränderte sich auch der »Markt« der Partnervermittlung. Schon bald ging es nicht mehr nur um den »sicheren, unfehlbaren Weg« zur Heirat, sondern vielmehr auch um lockere Rendezvous. So verlieh das Computer-Dating in der Praxis der Pluralisierung der Lebensmodelle und der Liberalisierung von Liebeskonzepten Ausdruck.
Die Geschichte des Computer-Datings zeigt, wie sich Vorstellungen von Liebe, Partnerschaft und Ehe über die Jahrzehnte wandelten. Denn einerseits eröffnete das Computer-Dating dabei gerade Frauen neue Wege der Partnerwahl; auch ergaben sich neue Spielräume für homosexuelle Paare, etwa durch einen ersten schwulen Dating-Service (»Man-to-Man«) 1968 in New York. Andererseits (re)produzierte die elektronische Partnervermittlung in vielen Fällen, im Wunsch nach Übereinstimmung, aber auch soziale, ökonomische, religiöse und kulturelle Trennlinien der Gesellschaft, wobei zugleich Dynamiken des Ausschlusses und der Marginalisierung erkennbar wurden. Hier erwies sich der Computer als Normalisierungsmaschine. Dabei zeigt sich auch eine erstaunliche Kontinuität tradierter Werte und Muster des Kennenlernens. Die Suche nach Sicherheit, die etwa im Zuspruch vieler Jugendlicher zu den Angeboten computergestützter Eheanbahnungsinstitute zum Ausdruck kam, zeigt, wie widersprüchlich die Entwicklungen in diesen Jahren waren, die wir als »68er-Revolution«27 bezeichnen. In ihren Ambivalenzen und Ungleichzeitigkeiten bezeugt die lange Geschichte des Computer-Datings daher einmal mehr das enge Zusammenspiel von digitalem und sozialem Wandel.
Fußnoten
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1
Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine stark gekürzte, aktualisierte und zugleich überarbeitete Fassung des Fachartikels: Computerliebe. Die Anfänge der elektronischen Partnervermittlung in den USA und in Westeuropa, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 17 (2020), H. 1, S. 36-62, online https://zeithistorische-forschungen.de/1-2020/5811. Die Passagen zur Schlüsselquelle »Elektronengehirn bei der Ehevermittlung« (1965) sind neu hinzugekommen.
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2
Karl Miles Wallace, An Experiment in Scientific Matchmaking, in: Marriage and Family Living 21 (1959), S. 342-348, hier S. 342. Vgl. ders., Love is more than Luck. An Experiment in Scientific Matchmaking, New York 1957, S. 72-78. Zur Geschichte von Heiratsbüros vor 1945 vgl. Penrose Halson, The Marriage Bureau. The True Story of How Two Matchmakers Arranged Love in Wartime London, New York 2017; Life Goes on a Date Arranged by Statistics, in: Life Magazine, 03.08.1942, S. 78f.
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3
Lonely Hearts Clubs waren schon in den 1930er Jahren populär gewesen. Vgl. Thomas Sugrue, I Sent a Letter to My Love. Matrimonial Correspondence and Lonely Hearts Clubs, in: The American Magazine 123 (1937), H. 2, S. 118-121. Die Leiterin des New Yorker Instituts, Clara Lane, galt als »Königin der Eheanbahnungen«. Vgl. Clara Lane, Cupid is my Business, in: The American Magazine 147 (1949), H. 2, S. 30f., S. 140f.; Rolf Strehl, Die Roboter sind unter uns, Oldenburg 1952, S. 203.
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4
Vgl. Beth L. Bailey, From Front Porch to Back Seat. Courtship in 20th Century America, Baltimore 1988; Moira Weigel, Dating. Eine Kulturgeschichte, München 2018.
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5
Clara Menck, Wo sich Herz zu Herzen findet. Die gewerbliche Heiratsvermittlung in unseren Tagen, in: Die Auslese 23 (1955), H. 1, S. 22-25; James Joseph, Can Electronics Pick your Mate?, in: Popular Electronics 24 (1966), H. 3, S. 70-95; Renate Schostack, Partnerwahl mit Kartei und Computer, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.1977, S. BuZ1.
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6
Joe Hyams, UNIVAC turns Cupid, with Success, in: New York Herald Tribune, 24.10.1956, S. 19; ders., Univac All Brain No Heart: Machine’s Perfect Marriage Off. It Left Out Love, in: New York Herald Tribune, 07.05.1957, S. 1; Bob Thomas, UNIVAC played Cupid in 1st Mating by Automation, in: Gettysburg Times, 16.10.1958, S. 1.
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7
C. Stewart Gillmor, Stanford, the IBM 650, and the First Trials of Computer Date Matching, in: IEEE Annals of the History of Computing 29 (2007), H. 1, S. 74-80; Customs, in: Time Magazine, 25.10.1963, S. 102; MIT Grad Runs »Contact«, in: The Tech, 6.10.1965, S. 3; Computer Plays Cupid, in: Technology Review 69 (1967), H. 4, S. 58; My IBM Baby, in: Time Magazine, 19.11.1965, S. 102.
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8
Nell Porter Brown, The Originals. Matching them Up, in: Harvard Magazine, March 2003, S. 28H, online https://www.harvardmagazine.com/2003/03/the-originals-html; T. Jay Mathews, Operation Match, in: The Harvard Crimson, 03.11.1965, S. 3f.; Russell Baker, Observer. Automation Comes to Love, in: New York Times, 10.02.1966, S. 36; Joan Rich/Leslie Rich, Dating and Mating by Computer, New York 1966, S. 48; Gene Shalit, New Dating Craze Sweeps Campus, in: Look Magazine, 22.02.1966, S. 30-35; John Godwin, The Mating Trade, New York 1973, S. 79-96, hier S. 80; Five Ideal Dates. Three Dollars, in: Cornell Daily Sun, 11.03.1966, S. 11; Let a Computer Scientifically Find the Right Date for You …, in: New York Times, 04.08.1968, S. XX2.
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9
Zum populären Diskurs vgl. überdies auch Stefan Höltgen, Data – Dating – Datamining. Der Computer als Medium zwischen Mann und Frau – innerhalb und außerhalb von Fiktionen, in: Gerhard Chr. Bukow/Johannes Fromme/Benjamin Jörissen (Hg.), Raum, Zeit, Medienbildung. Untersuchungen zu medialen Veränderungen unseres Verhältnisses zu Raum und Zeit, Wiesbaden 2012, S. 265-295.
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10
I’m after a Rave Boy, in: Rave, 01.02.1967, S. 3; A Boyfriend by Computer!, in: ebd., S. 14-15; Une enquête révolutionnaire, in: Elle, 16.02.1967, S. 44-50; I.B.M. 360-50 répond à vos questions sur l’amour, in: Elle, 23.02.1967, S. 76-77, 89-95; Johannes Zielinski, Das programmierte Glück, in: twen 10 (1968), H. 4, S. 79; Rendez-Vous 68. Das sind die Männer, denen Sie Ihr Glück verdanken, in: twen 9 (1967), H. 12, S. 61-67. Vgl. dazu auch kürzlich: Natalie R. Cincotta, Ideal Men and Dream Women: Computer Matchmaking in twen during the West German Sex Wave, 1967-1970, in: German History 40 (2022), S. 107-122, online https://academic.oup.com/gh/article-pdf/40/1/107/42397039/ghab089.pdf.
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11
Zugleich waren die Kirchen aber auch bereits ab den 1930er Jahren im Feld der Eheanbahnung aktiv geworden. Für sie eröffnete die Rhetorik einer Verwissenschaftlichung der Partnerwahl gerade in den USA neue Spielräume im Kampf gegen interreligiöse Ehen. So war das Ideal der Gemeinsamkeit, das hinter den algorithmisierten Computer-Ehen stand, dazu angetan, die dogmatische Ablehnung von »mixed marriages« – über religiöse, ethnische oder soziale Grenzen hinweg – zu unterstützen. Vgl. dazu John H. Crosby, A Critique of Divorce Statistics and Their Interpretation, in: Family Relations 29 (1980), S. 51-58; Andrew J. Cherlin, Marriage, Divorce, Remarriage, Cambridge 1981, Revised and Enlarged Edition 1992, S. 20-30; John Charles Wynn, Pastoral Ministry to Families, Philadelphia 1957, S. 109; L. Scott Allen, Founder’s Day Address, in: Foundation 56 (1965) H. 1, S. 3-8.
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12
Peter Hamm, Die Wissenschaft der Verdunkelung, in: Frankfurter Hefte 23 (1968), H. 1, S. 8f.
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13
Klaus Liedtke, Erst zahlen, dann lieben. Die Tricks der Heiratsinstitute, in: stern, 28.04.-04.05.1970, S. 62-70; ders., Die Geheimnisse der Ehe-Maschinen, in: stern, 05.-11.05.1970, S. 64-70; Michael Paula, Praxis und Probleme in der institutionellen Partnervermittlung, in: Hans W. Jürgens (Hg.), Partnerwahl und Ehe. Theorie und Praxis, Hamburg 1973, S. 65-74.
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14
Zum Image der EDV-Experten und dem Gendering von Fachkompetenz in den USA vgl. grundlegend Nathan Ensmenger, »Beards, Sandals, and Other Signs of Rugged Individualism.« Masculine Culture within the Computing Professions, in: Osiris 30 (2015), H. 1, S. 38-65; Mar Hicks, Programmed Inequality. How Britain Discarded Women Technologists and Lost Its Edge in Computing, Cambridge, MA 2017; Thomas S. Mullaney u.a. (Hg.), Your Computer is on Fire, Cambridge, MA 2021.
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15
Zur Geschichte der Firma vgl. den Bestand der Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv der Handelskammer Hamburg (SHWA), A59915. Altmann GmbH & Co., Bd. 1-5, sowie Hans-Ulrich Rieker, Auch Sie können glücklich verheiratet sein, Hamburg 1969; Hans W. Jürgens (Hg.), Partnerwahl und Ehe. Theorie und Praxis, Hamburg 1973. Fragebögen, Firmenzeitungen und Werbeprospekte des Instituts sind zudem erhalten im Bestand PPP/UW, z.B. Wer ist und was tut Altmann?, Broschüre, Dezember 1970, S. 3-5, Paul Popenoe Papers, Box 115, Folder 11: Computer Dating, American Heritage Center, University of Wyoming (PPP/UW). Das Altmann-System glich dabei über 130 Merkmale und 655 »Merkmalsausprägungen« eines Partnersuchenden mit den Daten der übrigen Bewerber:innen in der Kartei ab. »Wie Sie durch Altmann den Partner finden, den Sie suchen. Das Altmann-System, Broschüre, um 1970«, S. 12-13, PPP/UW.
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16
Liebe auf Elektronisch, in: Weltwoche, 29.08.1969, S. 41; Altmann Informationen, Mai 1969; Pressenotizen, in: Altmann Magazin, März 1970, S. 14-15, PPP/UW; Die Presse über uns, A59915, Altmann GmbH & Co., Bd. 1, SHWA; Simon Gast, Goldene Ringe aus dem Computer, in: Westermanns Monatshefte 111 (1970), H. 4, S. 34-37.
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Jetzt sind Frauen auch bei der Partnerwahl gleichberechtigt, in: Altmann Magazin, März 1970, S. 8-9, PPP/UW.
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Voraussetzungen für die Annahme von KPB [Kundenprofilbögen] bzw. für die Aufnahme in den Altmann-Partnerkreis, 01.03.1975, A59915, Altmann GmbH & Co., Bd. 4, SHWA; Wer ist und was tut Altmann?, Broschüre, Dezember 1970, S. 3-5; S. 15, PPP/UW. Dies war im europäischen Raum kein ungewöhnlicher Fall. Zur Reproduktion sozialen Ungleichheiten durch den Computer vgl. allg. Mar Hicks: Computer Love. Replicating Social Order Through Early Computer Dating Systems, in: Ada. A Journal of Gender, New Media & Technology 10 (2016); zur Persistenz erbbiologischer Konzepte nach 1945 vgl. überdies: Isabel Heinemann: Wert der Familie. Ehescheidung, Frauenarbeit und Reproduktion in den USA des 20. Jahrhunderts, Berlin 2018. Zum Konzept der Normalisierung vgl. Jürgen Link, Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Göttingen 52013.
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»Elektronengehirn bei Ehevermittlung», 30.04.1965, Nordschau-Magazin Hamburg. Quelle: Archiv NDR, mit freundlicher Genehmigung, online unter https://www.ardmediathek.de/video/nordschau/tinder-damals-partnersuche-per-rechner/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9jNjUwOTBmNy05OTg0LTQ1NjItODBlNS0zYjkzNzI0MGJkZjE.
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20
Sean F. Johnston, Techno-Fixers. Origins and Implications of Technological Faith, Montreal/Kingston 2020.
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21
DABEI-Report, Liebe per Computer, UFA-Dabei Nr. 673 / 1969, Filmwerk ID: 31679 | Signatur: 50845, ab Min. 5:50, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/31679/690499.
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»Staatliche Ehevermittlung«, in: Berliner Zeitung, 05.02.1967, S. 16; Ehevermittlung staatlich?, in: Berliner Zeitung, 05.03.1967, S. 16; »Der Computer sollte nicht über Menschen entscheiden«, in: Berliner Zeitung, 21.10.1973, S. 29; »Hoffnung in die ›Vier Jahreszeiten‹«, in: Berliner Zeitung, 28.10.1973, S. 11; Marlies Menge, Einsame Herzen im Sozialismus, in: Zeit, 23.04.1976, S. 58; Klaus Mehnert, Moskau und die neue Linke, Stuttgart 1975, S. 98f.
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Vgl. »Sie & Er. Computer mischt die Karten«, in: Neues Deutschland, 27.06.1990, S. 7; vgl. auch die Filmquellen des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA), Potsdam-Babelsberg. Zur Geschichte der Sozialbeziehungen in der DDR vgl. auch Anna Kaminsky, Frauen in der DDR, Berlin 2017; »Dating in der DDR: Wie wurde es ohne Tinder & Co. gemacht?«, MDR.de, 24.03.2023, https://www.mdr.de/geschichte/ddr/alltag/valentinstag-partnervermittlung-tinder-dating-app-liebe100.html.
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Zur Rolle von Online-Diensten vgl. »Btx für einsame Herzen. Partner-Service von Berlin bis Bali: Amor traf mitten ins Herz.« In: bildschirmtext magazin für teleleser 4 (1983), H. 9, S. 42f.; Reto Casanova, Partnervermittlung durch elektronische Massenmedien, Zürich 1986; Butz Peters, Der Partnerschaftsvermittlungsvertrag, Frankfurt a.M. 1986, S. 28-65; »Partnervermittlung – Die große Enttäuschung«, in: Stiftung Warentest 25 (1990), H. 11, S. 26-31; Dan Slater, Love in the Time of Algorithms. What Technology Does to Meeting and Mating, London 2013; Jonathan Cohn, The Burden of Choice. Recommendations, Subversion, and Algorithmic Culture, New Brunswick 2019, S. 125-157, hier S. 143-145; Jeff Nagy, Pink Chat: Networked Sex Work before the Internet, in: Technology and Culture 62 (2021), H. 1, S. 57-81; Emily Parsons, Making Your Match, CHM Blog, 11.02.2021, https://computerhistory.org/blog/making-your-match/.
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25
Vgl. exemplarisch Eric Klien, Electronic Matchmaker(Tm) Questionnaire - Draft 6.85, Posting, alt.personals Google Group, December 26, 1992, https://groups.google.com/forum/#!msg/alt.personals/nrWxsw6_vdE/F89-qvvFy6gJ.
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Joe Tracy, der Begründer des Online Dating Magazine, sprach 2007 bereits von rund 1000 Webseiten pro Jahr. Vgl. dazu Joe Tracy, Inside The Online Dating Industry, in: Online Dating Magazine, 29.08.2007, https://web.archive.org/web/20070829204906/http://www.onlinedatingmagazine.com/columns/industry/2007/startinganonlinedatingservice.html. Zu den Dynamiken des Online-Datings in der Tinder-Ära vgl. überdies allgemein: Thorsten Peetz, Digitalisierte intime Bewertung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 73 (2021), H. 1, S. 425-450, online https://link.springer.com/article/10.1007/s11577-021-00754-y; Andreas Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin 2017.
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Norbert Frei, 1968. Jugendrevolte und globaler Protest, München 2008, aktualisierte und erweiterte Neuausg. 2017, S. 233f.; Christina von Hodenberg, Das andere Achtundsechzig. Gesellschaftsgeschichte einer Revolte, München 2018, S. 155-175. Zum Wandel von Sozialbeziehungen vgl. auch Michael Homberg, Singles. Alleinsein und Alleinleben in Deutschland und Europa nach 1945, in: zeitgeschichte | online, 19.12.2025, https://zeitgeschichte-online.de/themen/singles; ders./Christopher Neumaier (Hg.), Paarbeziehungen in Deutschland nach 1945. Sonderband Geschichte & Gesellschaft 48 (2022), H. 3.